Bahnhof Kautenbach in H0

Ansicht des Bahnhofs von der Hockslay um 1910
Ansichtskarte J. Kaemmerer, Photogr, Wiltz (vor 1920)

Absicherung

Eigentlich sollte es auf meiner Modellbahn, wie beim großen Vorbild, nie zu Unfällen und Entgleisungen kommen. Wäre dies wirklich der Fall, so wäre die hier getätigte Arbeit eigentlich überflüssig. Doch auch das Vorbild rechnet mit dem Unvorhersehbaren – dies erkennt man auf Brücken und in engen Kurven wo Fangschienen eingebaut werden um den Schaden im Fall einer Entgleisung so gering wie möglich zu halten. (Laut Wikipedia werden diese auch Beischienen, Führungsschienen, Zwangsschienen, Leitschienen oder Entgleisungsschutz, fachsprachlich Führungen, umgangssprachlich Angstschienen, genannt)

Entgleisungsschutz auf dem Viadukt Pulvermühle
(luxemburgisch Biisser Bréck) um 1974
Entgleisungsschutz im Dommeldinger Berg um 1974
(zeitweilig eingleisig während Bauarbeiten am Viadukt „Clausen“)

Fangsschienen ergeben beim großen Vorbild Sinn. Diese würden meiner Meinung nach auf der Modellbahn jedoch nicht funktionieren da bei der großen Bahn die Schwerpunkte anders verteilt sind. Auch sind die Radien enger und die Steigungen größer, so dass sich die auftretenden Kräfte nicht vergleichen lassen.

Durch ein Missgeschick kann auf der Modellbahn, trotz Sorgfalt ein doch recht teures Fahrzeug oder ein ganzer Zug, aus fast 80cm Höhe auf dem gefliesten Fußboden landen. Diese Schreckensvorstellung, löste bei mir Überlegungen aus, wie sich ein solches Szenario wirkungsvoll, zumindest auf dem später nicht sichtbaren Teil der Anlage, vermeiden lässt.

Bevor der nächste Bauabschnitt in Angriff genommen wird, nach welchem am Schattenbahnhof nur noch unter schwierigen Umständen gewerkt werden kann, war es also jetzt an der Zeit sich dieses Problems anzunehmen. Wie üblich, hatte ich zuerst in verschiedenen Foren nach Lösungsansätzen gesucht, dabei jedoch nicht wirklich ein Patentrezept gefunden welches meinen Ansprüchen genügt hätte.

Eine Absturzsicherung wie ich sie mir wünschte sollte:

  • vor allem ein oder mehrere entgleiste Fahrzeuge vor dem Sturz in die Tiefe bewahren können
  • dabei den Blick auf das Gleis so wenig wie möglich behindern
  • den Zugriff zu Fahrzeugen auf den Gleisen möglichst wenig erschweren
  • sich bei größeren Arbeiten (z.B. manuelle Schienenreinigung etc. ) mit wenigen Handgriffen auch entfernen lassen

– Den Absturz verhindert man auf der Modellbahn üblicherweise indem man ein fortlaufendes Band an den Trassenkanten befestigt. Dies wird in dieser Form auch von den meisten Modellbahnbauern ausgeführt, dies indem Pappstreifen, Teppichstreifen, PVC oder Holz-Leisten u.s.w. an die Anlagen-Kante geschraubt, geklebt oder genagelt werden.

– Den Blick auf das Gleis möglichst wenig zu behindern, bereitete mir am meisten Kopfzerbrechen. Lange war ich auf der Suche nach einem festen, biegsamen und möglichst transparentem Material. Eines Tages entdeckte ich im Baumarkt eine Rolle PET-Verglasungsfolie als Meterware. Diese Rolle mit einer Breite von 125cm und einer Material-dicke von 0,8mm schien mir genügend Festigkeit für den gewünschten Zweck mitzubringen. Also habe ich zwei Meter dieser Folie zum Preis von etwa 15€/Meter erstanden.

Zu Hause wurde die Folie dann mittels Einhand-Zwingen zwischen zwei gerade Bretter geklemmt. Das obere der Bretter wurde an der Schneidekante zusätzlich mit einem Fliesen-Abschlussprofil geschützt, welches sich zufällig in meinem Fundus befand. Auf diese Weise kann die Schnittkante millimetergenau festgelegt werden.
Anschließend sechs- bis acht-mal, mit mäßigem Druck, das Teppichmesser am Winkel-Abschlussprofil entlang geführt. Dabei das Messer so flach wie möglich führen. So erhalte ich saubere, 3cm breite Streifen.

– Damit der Zugriff zu den Gleisen möglichst wenig eingeschränkt wird dachte ich mir dass ein Band von 3cm Höhe einen guten Kompromiss darstellt. (Höher werden sich die Fahrzeuge hoffentlich nicht auf türmen). So bleibt auch in der Gleiswendel noch Freiraum um ein Fahrzeug zu bergen oder wieder korrekt aufs Gleis zu stellen, ohne sofort alles abbauen zu müssen.

– Um diese Streifen auf der Anlage an der richtigen Position befestigen zu können, und sie bei Bedarf wieder ohne größeren Aufwand entfernen zu können, mussten natürlich noch entsprechende Befestigungen hergestellt werden. Doch wozu besitzt man einen 3D-Drucker.

Hier die erste Stellprobe mit den selbst-gedruckten Haltern. Das Resultat sah schon recht vielversprechend aus

Die ersten Halter waren schon vielversprechend, jedoch stellte ich schnell fest dass das einfädeln der Folienstreifen, trotz 0,2 mm Seiten- und 1,5mm Höhenspiel, doch nicht so leicht wie erhofft zu bewerkstelligen war. Im fest verbautem Zustand hätte dies, unter eingeschränkten Platzverhältnissen, zum Problem werden können.
Also wurden die Halter noch einmal leicht angepasst und bekamen an der, dem Gleis zugewandten Seite, einen kleinen Schlitz. Nun kann man, nach leichtem Aufbiegen des Halters, die Folie seitlich von oben in diesen hinein gleiten lassen. Dieser Schlitz wurde so positioniert, dass die Folie nicht wieder ungewollt aus dem Halter heraus-rutschen kann. Um den entstandenen Stabilitätsverlust auszugleichen mussten der Sockel und eine Seite des Halters leicht verstärkt werden.

Die Halter wurden aus PETG gedruckt, ein Material welches zäh und flexibel ist, so dass die Teile federn aber nicht brechen können.

Da verschiedene Anwendungsfälle auch verschiedene Halter erfordern, wurden ausgehend von einem Grundmodell verschiedene Ausführungen gezeichnet und gedruckt.

Die vier Halter links bilden dies Grundmodelle, die beiden Halter rechts wurden für die Gleiswendel entworfen und sind dazu bestimmt auf ein Aluprofil respektive in den dazu passenden Halter gesteckt zu werden

Bei der Montage meiner Absturzsicherung stellte ich fest dass es doch nützlich wäre wenn man das transparente Band auch seitlich fixieren könnte damit es nicht im Halter verrutscht. Auch mussten die einzelnen Bänder untereinander verbunden werden. Zu diesem Zweck habe ich Buchbinder-Schrauben aus Edelstahl M5*4mm gekauft. Da mein Band nur 0,8mm dick ist und ich keine kürzeren Schrauben fand musste der Rest der 4mm mit jeweils zwei selbst-gedruckten PETG-Scheiben aufgefüllt werden. Die benötigten Löcher im Folienband wurden mit einem handelsüblichen Büro-Locher ausgestanzt. (Ich benutzte dazu anfangs einen äußerst billigen Locher, dieser hat sich jedoch im Lauf der Arbeit derart verbogen, dass er anschließend nicht mehr zu gebrauchen war.)

Buchbinderschrauben oder Chicago-Schrauben M5x4mm, welche zum Verbinden der einzelnen Bänder benutzt wurden
Hier eine Verbindung von oben –
auf beiden Seiten je eine selbst-gedruckte PETG-Scheibe

Abschließend einige Bilder der fast fertigen Arbeit. Diese recht billige Lösung erwies sich als schnell und praktikabel, weshalb ich beschlossen habe auf diese Art sämtliche verdeckten Gleise zu sichern. Hätte ich allerdings den benötigten Platz für die Absturzsicherung schon bei der Anlageplanung in Betracht gezogen, so wäre die Ausführung noch einfacher möglich gewesen.

Hier ein Blick auf die „eingezäunte“ Kehrschleife
Mit zwei aneinander-gekuppelten Wegmanwagen in 1:87er Länge wurde kontrolliert ob immer genügend Abstand zum Gleis besteht
Der Blick von oben auf die Kehrschleife betätigt – hier scheint alles zu passen
Die Gleiswendel erhielt spezielle Halter – am Innenkreis stecken diese in Sockeln, am Außenkreis sind diese auf einen Aluwinkel aufgesteckt. Dieses ermöglicht ein schnelles entfernen der Sicherung bei hoher Stabilität
Spezielle Halter für spezielle Ansprüche
Ein zusätzlicher Ausschnitt aus der Grundplatte soll es später erleichter schwer zugängliche Stellen zu erreichen
Hier war rechts neben dem Gleis kein Platz für die Sicherung vorhanden, und so musste zuerst ein etwa 3cm breiter Streifen seitlich angebaut werden


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert